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Chiropraktik:
Bericht von Fatma Mirjam Ormeloh |
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Das
Anti-Blockier-System
Das Pferd geht Kreuzgalopp, biegt sich nicht, macht den Rücken fest, lahmt. Wirbelblockaden können die Ursache sein. Der Chiropraktiker hilft.
Die
Chiropraktik ist eine manuelle Methode, mit der Bewegungsstörungen des
Skelettsystems so behandelt werden, dass die Gelenke ihre ursprüngliche
Beweglichkeit wiedererlangen. Hierdurch wird eine optimale Stimulierung
des Nervensystems erreicht. Das leistet einen wichtigen Beitrag zur
Gesunderhaltung des Körpers. Im
Mittelpunkt steht die Funktion der Wirbelsäule (siehe unten „Die
Wirbelsäule“). Für einen optimalen Informationsfluss zwischen dem
Zentralen Nervensystem und allen Organen und Geweben des Körpers ist
eine gute Beweglichkeit aller ihrer Gelenke notwendig. Ist die
Beweglichkeit zwischen zwei Wirbeln eingeschränkt, kann es zu einer
Beeinträchtigung des austretenden Nervenstranges mit weitreichenden
Folgen kommen. Die herabgesetzte Beweglichkeit oder der eingeschränkte Bewegungsspielraum eines Gelenks heißt Blockade. Der Chiropraktiker löst diese, so dass das Gelenk wieder optimal funktionieren kann.
Der
Körper kompensiert Hat
ein Pferd Blockaden, kann dies zu Steifheit, Muskelverspannungen und
mangelnder Koordination führen. Versucht der Körper die Blockaden zu
kompensieren, ändert sich seine Haltung: Andere Gelenke mit ihren
Muskeln, Sehnen und Bändern werden mehr oder überbelastet. Dies führt
zu weiteren Blockaden und Schonhaltungen. Das
Pferd biegt sich schlecht, verliert Geschmeidigkeit, macht den Rücken
fest. Leistungsminderung, Kreuzgalopp, Taktfehler, Fehltritte bis hin zu
unspezifischen Lahmheiten können die Folge sein. Manchmal
treten auch außergewöhnliche Schweißbildung, Juckreiz oder Hitze-/Kälteüberempfindlichkeit
auf, da die Funktion von Hautnerven gestört ist.
Was
Blockaden verursacht Bewegungsblockaden
können durch Makrotraumen hervorgerufen werden, wie durch Stürze,
Festliegen, im Halfter Aufhängen, Unfälle, Transporte, Geburten oder
Vollnarkosen. Aber
auch Mikrotraumen, die immer wieder über einen längeren Zeitraum auf
das Pferd einwirken, können die Gelenksfunktionen stören. Dazu gehören
Bewegungsmangel, falsche/r Beschlag/Hufpflege, unpassender Sattel, übermäßiges
oder falsch dosiertes Training sowie ein schlechter oder schief
sitzender Reiter. In diesen Fällen sollten natürlich die Ursachen
erkannt und beseitigt werden, da sich die Blockaden sonst auch nach dem
Lösen immer wieder neu bilden.
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und wie sie gelöst werden Zu
Beginn einer chiropraktischen Behandlung wird das Pferd im Stand und
danach im Schritt und Trab auf der Geraden sowie auf gebogenen Linien
betrachtet. Der Therapeut achtet auf anatomische Besonderheiten,
Asymmetrien, Biegsamkeit, Schrittverkürzungen, Schleifen des Hufes und
andere Auffälligkeiten. Dann prüft er systematisch die Mobilität der
Wirbelsäulen-, Kiefer- und Gliedmaßengelenke. Wird
eine Blockade diagnostiziert, so erfolgt die Mobilisierung des Gelenkes
mit den Händen durch einen schnellen kurzen Impuls (Stoß oder Zug),
der in einem speziellen Winkel ausgeführt wird. Die Chiropraktik
arbeitet mit „Kurzhebeltechniken“: Der Therapeut setzt möglichst
direkt an einem am betroffenen Gelenk beteiligten Knochen an. So
arbeitet er sehr dosiert und effektiv. Die
Blockade wird dadurch gelöst, dass der gezielte Impuls das blockierte
Gelenk leicht über seine normale Beweglichkeit hinaus bewegt, ohne dass
die anatomischen Grenzen überschritten werden.
Nachsorge
ist wichtig Nach
der Behandlung sollte das Pferd zwei Tage nicht geritten werden, sich
aber frei bewegen können (keine absolute Boxenruhe). Die Muskulatur
muss sich an die veränderte Körperhaltung gewöhnen. Anschließend
kann man mit leichter Arbeit anfangen und einen etwa dreitägigen Übergang
zum gewohnten Training vollziehen. Muskelkater und ein neues Körpergefühl
kann in Einzelfällen zu einer vorübergehenden, einige Tage dauernden
Verschlechterung der Rittigkeit führen. Meistens aber lassen sich die
positiven Veränderungen schon bald feststellen.
Meist
mehrere Behandlungen nötig Wie
viele chiropraktische Behandlungen notwendig sind, lässt sich nicht
pauschal sagen. Oft reicht eine nicht aus, vor allem wenn Schonhaltungen
und Blockaden schon längere Zeit bestehen. Denn dann haben sich Muskeln
und Bänder meist diesem krankhaften Zustand angepasst und benötigen
auch wieder Zeit, ihre Stütz- und Haltefunktion im gesunden Körper zu
erfüllen. Im
Abstand von drei bis vier Wochen kann nachbehandelt werden. Nach einer
bis vier Behandlungen sollte eine deutliche Verbesserung eintreten.
Vorbeugung
ist besser Bei
Pferden im Leistungssport, bei alten und auch bei jungen Pferden ist
eine regelmäßige chiropraktische Betreuung als Prophylaxe
empfehlenswert: Durch eine optimale Gelenkbeweglichkeit kann das
Sportpferd sein volles Potential nutzen, das alte Pferd Arthrosen und
Gelenksdegeneration vorbeugen, das Jungpferd im Wachstum die Basis für
ein gesundes und belastbares Skelettsystem gelegt bekommen.
Hilfe
bei akuten Problemen Bei
folgenden akuten Problemen kann die chiropraktische Behandlung von großem
Nutzen sein: mangelhafte Losgelassenheit, Steifheit, Verspannungen,
Widersetzlichkeit unter dem Reiter, Hochreißen des Kopfes, Wegdrücken
des Rückens, Schweifschlagen, verkürzte Tritte, Stolpern,
Schwierigkeiten, sich vorwärts-abwärts zu strecken, sich durchs Genick
zu stellen oder mit der Hinterhand Last aufzunehmen. Nach
Geburten, Vollnarkosen, Unfällen und Stürzen ist eine chiropraktische
Überprüfung vor Wiederaufnahme des Trainings sinnvoll. Bei
Lahmheiten, extremen Rückenbeschwerden und Ataktikern (das Pferd läuft
unkoordiniert und wie betrunken) sollte das Pferd unbedingt zunächst
einem Tierarzt vorgestellt werden. Erst wenn nach der Diagnostik mit den
notwendigen Röntgenaufnahmen aus schulmedizinischer Sicht nichts
dagegen spricht, kann nach Absprache mit dem Tierarzt die Chiropraktik
begleitend oder im Anschluss an die Therapie ergänzend hinzugezogen
werden.
Chiropraktik
zur Ergänzung Bei
chronischen Erkrankungen der Gliedmaßen (Spat, Arthrosen, Hufrollenentzündungen)
und der Wirbelsäule (Kissing Spines) kann eine begleitende Behandlung
sekundäre Rückenprobleme verhindern und degenerative Prozesse
verlangsamen.
Fallbeispiele
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Die Stute läuft schief Eine
elfjährige Trakehnerstute, einspännig gefahren, ging plötzlich vor
der Kutsche mit extrem nach links gebogenem Hals, wobei sie weiter
geradeaus lief. Die chiropraktische Untersuchung ergab mehrere
Blockaden, die gravierendsten im Genick und zwischen erstem und zweitem
Halswirbel. Beim Lösen der Blockaden zeigte die Stute deutlich durch
Gegenlehnen, welche Stellen betroffen waren. Sie genoss die Behandlung
offensichtlich. Wegen der Muskelverspannungen wurde auch Akupunktur
eingesetzt. Hier waren mechanische Ursachen für die veränderte Körperhaltung verantwortlich. Nach der Behandlung bewegte sich die Stute wieder normal vor der Kutsche. Eine weitere Behandlung war nicht nötig. -
Wallach leidet unter Spätfolgen Bei
einem heute sieben Jahre altem Islandwallach fiel seit dem Anreiten (fünfjährig)
eine leichte Schrittverkürzung vom rechten Hinterbein auf. Der Tierarzt
konnte jedoch nichts feststellen. Obwohl freundlich im Umgang und bemüht,
alles richtig zu machen, war der Wallach unterm Reiter ängstlich mit plötzlichen,
unberechenbaren Reaktionen. Sie schienen in Zusammenhang mit der
Aufforderung zu mehr Leistung zu stehen. Nach
längerem Überlegen erinnerte sich der Besitzer daran, dass das Pferd
auf der Fohlenschau gestürzt war und danach ein Hinterbein nachzog. Da
später alles in Ordnung zu sein schien, wurde damals kein Tierarzt
hinzugezogen. Nun wünschte er eine chiropraktische Untersuchung. Diese
ergab unter anderem Blockaden im Bereich von Becken und Lende. Nach dem
Lösen wurde auch akupunktiert, um die Psyche des Wallachs zu
harmonisieren. Er wurde noch zwei weitere Male nachbehandelt, wobei die
Blockademuster sich ähnelten. Die Schrittverkürzung nahm ab. Insgesamt
bewegte sich das Pferd geschmeidiger, war ausgeglichener und ließ sich
besser fordern. Hieran kann auch die Akupunktur einen großen Anteil
haben. Doch es liegt auch nahe, dass die Blockaden zu schmerzhaften
Verspannungen geführt hatten, und dieser Schmerz jetzt aufgehoben war. Solch
ein Patient sollte regelmäßig in größeren Abständen nachuntersucht
werden: Der Unfall im Fohlenalter hat möglicherweise zu anatomischen
Veränderungen geführt, die dauerhaft Schonhaltungen bedingen und
unterschiedliche unerwünschte Folgen haben können.
Die
Autorin Fatma Mirjam Ormeloh studierte in Hannover Tiermedizin und arbeitete fünf Jahre in Gemischtpraxen in Luxemburg und im Sauerland. Akupunkturausbildung der International Veterinary Acupuncture Society (IVAS) und Chiropraktikausbildung der European Academy for Veterinary Chiropractic (EAVC). Heute arbeitet sie in eigener Praxis mit dem Leistungsangebot der Akupunktur und Chiropraktik bei Pferden und Hunden. Info: www.tier-chiropraktor.de
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